1990
Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion
Zwischen Bonn und Ost-Berlin laufen im Frühjahr 1990 die
Vorbereitungen für eine Wirtschaftsunion der Deutschen
Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland auf
Hochtouren. Die Verfechter einer schnellen Währungsunion wollen die
günstige außenpolitische Konstellation nutzen. Auch angesichts
der
anhaltenden Ströme von Übersiedlern sehen sie sich zu raschem
Handeln gezwungen. Die Botschaft auf den Spruchbändern der
Demonstranten in der DDR ist eindeutig: "Kommt die D-Mark, bleiben
wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" Am 18. Mai unterzeichnen die
Finanzminister der beiden deutschen Staaten den Vertrag über die
Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, den
sogenannten Staatsvertrag.
Unter Hinweis auf den maroden
Zustand der DDR-Wirtschaft plädieren jedoch viele
Wirtschaftsexperten, vom Sachverständigenrat
bis zum Bundesbankpräsidenten,
dafür, die DDR nicht gleichsam über
Nacht dem Wettbewerb mit der westdeutschen
und internationalen Konkurrenz auszusetzen.
Eine schnelle Währungsunion sei
eine "Roßkur", der die DDR-Betriebe
wegen ihrer weit geringeren Produktivität nicht
gewachsen seien. Eines der umstrittensten
Themen ist der Umtauschkurs von
DDR-Mark in D-Mark. Die Wirtschaftsverbände
halten eine Währungsumstellung im
Verhältnis 1:1 für untragbar.
Mit der Währungs-, Wirtschafts und Sozialunion übernimmt die
DDR zum Stichtag 1.
Juli 1990 große Teile der Wirtschafts- und Rechtsordnung der Bundesrepublik.
Auch in der DDR gilt nur noch die D-Mark als Zahlungsmittel. Löhne,
Gehälter,
Renten, Mieten und andere "wiederkehrende Zahlungen" werden 1:1 umgestellt.
Bei Bargeld und Bankguthaben sind die Regelungen komplizierter. Kinder
unter 14
Jahren können bis zu 2000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen,
15 bis
59jährige bis zu 4000 DDR-Mark, wer älter ist, 6000 DDR-Mark.
Darüber
hinausgehende Beträge werden im Verhätlnis 2:1 umgestellt. Mit
der Übernahme
des wirtschafts- und sozialpolitischen Systems der Bundesrepublik und der
Einführung der D-Mark als alleinigem Zahlungsmittel ist die Eingliederung
der DDR
in die Bundesrepublik praktisch vollzogen.
Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/DieDeutscheEinheit/Wiedervereinigung/wirtschaftsWaehrungsUndSozialunion.html
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