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Migrationsbericht 1999
Zu- und Abwanderung nach und aus Deutschland
Dezember 1999

Herausgeber:
Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen
11017 Berlin
Außenstelle Bonn
Postfach 14 02 80
53107 Bonn






Gesamtbild der Abwanderung aus Deutschland

Meist wird, wenn von Migration die Rede ist, nur die Komponente der
Zuwanderung betrachtet. Dass es Abwanderung in beträchtlichem Umfange
gibt, wird dabei häufig übersehen oder verschwiegen.

Nicht selten kommt es dadurch zu Ängsten in der Bevölkerung vor einer zu starken Zuwanderung.
Parallel zum Anstieg der Zuwanderung in Deutschland Ende der 80er Jahre
zogen auch vermehrt Menschen über die deutschen Grenzen fort.

Zwischen 1991und 1998 verließen beinahe 5,8 Millionen Ausländer und auch Deutsche das Land.
Ein beachtlicher Anteil davon sind abwandernde Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge,
abgelehnte Asylantragsteller sowie Arbeitsmigranten aus Osteuropa.

Aber auch ehemalige Gastarbeiter und ihre Familienangehörigen wandern verstärkt
und manchmal auch mehrmals zwischen den Heimatländern und Deutschland
hin und her. Ob sich hier neue Migrationsmuster, die in der Wissenschaft
als "transnationale Migration" bezeichnet werden (z.B. Pries 1997), etablieren,
bleibt abzuwarten.

Als Resultat all dieser vielfältigen Abwanderungsprozesse sind in den Jahren 1997 und 1998
mehr Ausländer aus Deutschland weg- als zugezogen.

Ein Spezialfall der Abwanderung, die ausländer- und asylrechtlichen Abschiebungen
aus Deutschland, sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Sie bewegten
sich  - laut Bundesministerium des Innern  - in diesem Jahrzehnt  zwischen 10.850 (1990)
und 53.043(1994) pro Jahr; 1998 waren es 38.479.

Aber auch deutsche Staatsangehörige verlassen die Bundesrepublik Deutschland
für längere Zeit oder für immer in nicht unbeträchtlichem Ausmaß.

Die Abwanderung Deutscher bewegte sich konstant seit den 70er Jahren zwischen
50.000 und 65.000, bis sie ab 1989 auf über 100.000 pro Jahr anwuchs.

1998 haben circa 115.000 Deutsche das Bundesgebiet verlassen.
Über die Gründe kann hier nur spekuliert werden. Es handelt es sich um
"klassische Auswanderer" (z.B. in die U.S.A.), aber auch um "temporäre" Abwanderer,
wie z.B. Techniker, Manager, Kaufleute, Ärzte, Rentner und Studenten sowie deren Angehörige.

Wissenschaftlich ist die Abwanderung aus Deutschland ein vernachlässigter
Bereich der Migrationsforschung. Es existieren nur sehr wenige Untersuchungen
zur Abwanderung und ihren Motiven.


Quelle: http://www.bundesauslaenderbeauftragte.de/publikationen/mbe.pdf (Text vereinfacht.)