1. Junge Menschen, die eine betriebliche Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf durchlaufen, bezeichnet man als Auszubildende (früher: Lehrling). In der Kurzform spricht man auch von "Azubi".
2. In dieser Zeit lernen die Jugendlichen den Beruf praktisch im Betrieb und theoretisch in einer Berufsschule. Diese Verbindung von praktischer Arbeit und Unterricht wird das duale
System genannt.
3. Es gibt derzeit in der Bundesrepublik ca. 380 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Die Entwicklung ist geprägt durch eine steigende Spezialisierung.
4. Die Berufsausbildung dauert unterschiedlich lange, im Schnitt drei Jahre, höchstens vier Jahre.
5. Alle Auszubildenden besuchen neben der Ausbildung im Betrieb eine Berufsschule, wo sie Unterricht in ihren
berufsspezifischen Fächern, aber auch in Fächern wie z.B. Wirtschaftskunde,
Geschichte, Deutsch, Englisch erhalten.
Der Unterricht findet meist einmal wöchentlich statt oder als so genannter
Blockunterricht, der sich über mehrere Wochen an einem Stück erstreckt.
6. Die Rechte und Pflichten des Auszubildenden sowie des Ausbilders regelt das Berufsbildungsgesetz.
Darin ist z.B. festgelegt, wer überhaupt ausbilden darf, dass ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden muss, dass der
Auszubildende das Recht auf eine angemessene Vergütung hat,
dass der Auszubildende Ausbildungsnachweise führen
muss.
7. Was die Situation auf dem Ausbildungsmarkt betrifft, so gibt es Unterschiede zwischen Westdeutschland und Ostdeutschland.
In Westdeutschland gibt es derzeit mehr angebotene Ausbildungsplätze
als Bewerber: 1996 wurden 483.200 Ausbildungsplätze angeboten, die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag bei 449.300.
In Ostdeutschland dagegen konnte der Bedarf an Lehrstellen nicht
gedeckt werden: Für die 138.800 Bewerber gab es nur 126.100 Lehrstellen.
8. Die Zahl der jungen Leute, die eine Lehrstelle suchen, nimmt zu. Die Gründe dafür
sind die höheren Zahlen bei den Schulabsolventen aber auch der Trend zur Doppelqualifikation:
Immer mehr Abiturienten und Fachoberschüler stellen dem Studium eine Lehre voran.
9. Für behinderte Jugendliche, die wegen ihrer Behinderung keine Ausbildung in einem Betrieb machen können, gibt es die Möglichkeit, in einem Berufsbildungswerk einen qualifizierten Berufsabschluss zu machen.
10. Der größte Teil der Auszubildenden kommt von der Hauptschule. In den letzten Jahren durchlaufen jedoch immer mehr Schüler mit Realschulabschluss oder Abitur eine
derartige Berufsausbildung. Auch wächst die Zahl der Abiturienten, die vor dem Studium eine Berufsausbildung absolvieren.
11. Am stärksten gesucht sind Ausbildungsplätze in kaufmännischen Berufen, wie etwa Einzelhandelskaufmann, Bankkaufmann. Angeboten werden aber derzeit mehr Ausbildungsplätze in gewerblich-technischen Berufen, wie
Installateur, Kfz-Mechaniker, Industriemechaniker. Die zehn am meisten
gefragten Ausbildungsberufe sind:
Kfz-Mechaniker
Elektroinstallateur
Berufe im Baugewerbe
Tischler
Maler und Lackierer
Gas- und Wasserinstallateur
Kaufmann im Groß- und Außenhandel
Kaufmann im Einzelhandel
Verkäufer
Bankkaufmann
12. Die meisten Ausbildungsverträge werden im Bereich Industrie und Handel abgeschlossen (rund 47 %). 1996 ist in diesem Bereich das Angebot an Lehrstellen um 2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Gefallen ist dagegen das Angebot im Bereich Handwerk um 2 % gegenüber dem Vorjahr 1995.
13. Während der Ausbildungszeit erhalten die Auszubildenden Lohn, der sich im Laufe der Ausbildungszeit erhöht. Diese Vergütung ist nicht für alle Ausbildungsberufe gleich. Außerdem ist sie in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland.
In den Ausbildungsberufen Gerüstbauer, Maurer, Bankkaufmann lagen
die Löhne am höchsten, am niedrigsten in den Berufen Friseur und Herrenschneider.