Markus Heckhausen, der Herausgeber von "Das Buch vom Ampelmännchen," protestiert: "Ein typisch deutsches Schicksal: Kaum gibt es einmal eine charaktervolle, humorvolle, sinnliche Figur im öffentlichen Alltag, da soll sie auch schon wieder weg." Nach dreißig treuen Dienstjahren konnte er seine geliebten Ampelmännchen nicht auf dem Müll sehen. Er begann, die Geher und Steher von den Hinterhöfen der Straßenbaumeistereien einzusammeln und verteilte sie in private Häuser. Sein zweiter Schritt war, mit der Firma, die die Ampelmännchen früher produziert hatte, zu sprechen, ob sie Ampelmännchen ohne Ampeln machen könnte. Die Idee gefiel der Firma sehr. Schließlich hat Heckhausen seine Ampelmännchengalerie in der Auguststraße in Berlin eröffnet. Er war überrascht von den begeisterten, zustimmenden Reaktionen des Publikums.
1996 nannte der Zeit-Autor Christoph Dieckmann die Ampelmännchen "Vopos, Grenzer, Stalinisten" und plädierte für die Liquidierung dieser Verkehrszeichen. Obwohl er alles ironisch meinte, bekam er einen riesigen Haufen von wütenden Leserbriefen.
Warum sind diese Ampelmännchen so beliebt? Diese Männer bedeuteten für jeden etwas Anderes. Bei aller tiefen oder weniger tiefen Bedeutung gibt es ein bißchen "Ostalgie". Für die einen sind sie ein Symbol der positiven Aspekte im alltäglichen Leben der Ossis. Für andere sind sie ein Symbol des Kampfes gegen den unterdrückenden Westen.
Für das Komitee zur Rettung der Ampelmännchen waren sie ein Symbol gegen die unvernünftige Nach-Wende-Abwicklungsmentalität. Das Komitee wurde im August 1996 in dem Ostberliner Bezirk Friedrichshain gegründet. Die Komiteemitglieder begründen ihre Aktion so: "Immer mehr bekannte Dinge verschwanden, wurden ausgetauscht oder gegen das Bewährte aus dem Westen ersetzt. Mit den Ampelmännchen sollte das nicht geschehen." Es gab keine Demonstrationen, Unterschriftenaktionen oder ähnliches, sondern Undercover-Aktionen. Zwei Monate lang wurden T-Shirts, Plakate und andere kleine Artikel in Berlin verteilt. Auch wurde eine Ost-Ampel am Theater "Volksbühne" installiert. Wie die Galerie von Heckhausen war dieser Versuch ein Erfolg. Viele Menschen unterstützten die Ampelmännchen, und kurz danach wurde die Presse auch aktiv. Der Kampf um die Ampelmännchen fand sogar Platz in den Seiten der amerikanischen Zeitung Wallstreet Journal.
Der Kampf geht noch weiter. Das Argument eines einheitlichen Erscheinungsbildes der Ampelmännchen hat die Politiker gespalten. Heißt Einheit, einheitliche, charakterlose Ampeln zu bauen? Nach den leidenschaftlichen Worten von Markus Heckhausen, ist Deutschland wirklich so reich an Attraktionen und Charakteren, daß es sich den Aufwand leisten kann, eine kostenlose Kultfigur aus seinen Stadtbildern zu entfernen?"
Bei der Vielfalt der verschiedenen Ampelmännchen
sollen die neuen Euro-Ampelmänner angeblich einfacher und klarer sein.
Ist er klarer, weil der Euro-Ampelmann nur die halbe Leuchtfläche
der Ost-Ampelmännchen hat? Ist er einfacher, weil das rote und
das grüne Euro-Männchen vertikal gestaltet ist? Wenn man
die Farben nicht wahrnehmen kann, bedeuten beide "Durchgang frei".
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