Bei den früheren Ampeln gab es nur einen farbigen Kreis und etwa 10 Prozent der Bevölkerung konnte die Farben nur schwach, verfälscht oder gar nicht wahrnehmen. Deshalb war es wichtig, zwei verschiedene Mittel zu haben, um die Signale zu unterscheiden- die bekannten Farben, aber auch Formen: ein Balken, der Halt bedeutet, und ein Pfeil, der "Freie Fahrt"signalisiert.
Die Nutzung von Farbe und Form als Signalsymbolik war der Hauptgrund für den Entwurf der realistisch-anschaulichen Männchen. Der eine ist ein Männchen das geht und der andere ist eins das steht. Karl Peglau wollte auch die gemütlich-lustige Figürlichkeit der Ampelmännchen für Kinder, alte Menschen und geistig Behinderte attraktiv machen. Der "Geher" und der "Steher" rufen ein "Sich-Angesprochen-Fühlen" wach, und deshalb ist diese Ampel wirksamer als abstrakt-formale Ampeln.
Markus Heckhausen, ein Diplom-Industrie-Designer, beschreibt den Geher als einen, der "seine kindliche Gestalt mit großem Kopf und kurzen Beinen mit all seinen Kräfte, [um] unseren Weg über die Straße [voranzugehen]" benutzt. "Der breitbackige Rote, der trotz seines Tropenhelms irgendwie an einen Pfarrer erinnert, breitet seine Arme aus, als wolle er die ganze Welt umarmen."
Zuerst dachte Joachim Roßberg, der Hersteller
dieser Ampelmännchen in seinem Signaltechnik-Betrieb in Wildenfels,
daß die Männchen "ein Produkt wie jedes andere" waren.
Aber eines Tages sah er eine Schulklasse aus West-Berlin an einer Kreuzung
im Ostteil der Stadt. Sie starrten fasziniert auf die Männchen.
Roßberg hatte nie die Ampelmännchen im Westen gesehen, und nichts
von ihrer charakterloser Präsenz gewußt.
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